Montag, 8. September 2014

Nicht dass du denkst, wer um Hilfe bittet, bekommt auch welche... Wir sind ja hier schließlich nicht in Hogwarts.

Vor ein bisschen mehr als einer Woche, geriet ein riesiger Stein ins Rollen. Nachdem eine liebe Kollegin, unserem gemeinsamen Chef gegenüber besorgt mitteilte, dass mit mir nicht ganz alles in Ordnung sei, musste ich zunächst bei ihm zu einem längerem Gespräch antreten. Trotz jahrelangem hin und her überlegen ob ich nun dazu verpflichtet war, meinen Chef über meine Krankheit zu unterrichten, hatte ich es mir bis zu diesem Tage strengstens verkniffen. Um ehrlich zu sein, hatte ich befürchtet, dass ich nun meine Arbeit verlieren würde. Vielleicht könnte man diese Krankheit nicht als direkten Grund anwenden - aber wir wissen ja alle, dass es viele Wege gibt um aus einer Anstellung "herausgegangen" zu werden.

Nun hatte ich also dieses Gespräch und traute meinen Ohren nicht. So menschlich hatte ich meinen Vorgesetzten noch nie erlebt. Wir redeten über die Arbeit, über die Ausbildung und eben über die Krankheit. Er mache ich Sorgen um mich und wünschte sich von mir, dass ich mir doch zeitnahe Hilfe suchen würde, da er noch lange etwas von mir als Menschen und Arbeitskraft haben wollen würde. Bestärkt durch diese Worte habe ich es nun endlich geschafft, einen zweiten oder gar schon dritten Anlauf zu nehmen mir Hilfe zu suchen. Ein kurzer Anruf bei der Ausärztin und letzten Montag konnte ich mit meiner Überweisung bereits einen Termin bei einer Psychiatrischen Anlaufstelle festlegen. Zeitnahe. Mittwochmittag.

Von Montag bis Dienstag Abend hatte ich selbstverständlich noch gearbeitet. Mittwochmittag dann der Termin. Eine Art Vorgespräch um zu schauen, wie man mir am besten helfen könnte. Mir wurden formelle Fragen gestellt über Kindheit, Alltag und Arbeit. Wir kamen über die Selbstverletzung dann über weitere Gedanken, die ich so über das Leben oder eben NICHTleben hegte. Nachdem ich meine Gedanken losgeworden war, war für die Dame das Gespräch mit sofortiger Wirkung beendet. Ich hätte die Wahl einen Namen und Nummer zu nennen die sie jetzt sofort kontaktieren könnten oder ein Rettungswagen würde mich direkt in die Notaufnahme des nächstgelegenen Spezialisten bringen. Ich musste mein Auto stehen lassen, durfte weder fahren noch arbeiten gehen - in ihren Augen wäre ich eine Gefahr für mich und andere. Eine tickende Zeitbombe.

Die eben schon erwähnte Kollegin holte mich sofort von dort ab, klärte meine Spätschicht ab, informierte unsere Vorgesetzten und fuhr mich also zur Notaufnahme. 35km Fahrt und 2 Stunden Wartezeit später, wurde ich dann noch mal "untersucht". Wieder musste ich mich einem Standard-Fragenkatalog stellen. Diesmal aber mit solchen Fragen wie "Hören Sie stimmen? Bestimmen Sie selbst über Ihre Gedanken oder werden Ihre Gedanken von außen manipuliert?". Da ich dies verneinen konnte, sah man mich nicht als verrückt genug an um mich in die Geschlossene zu stecken. Nach einem Telefonat mit der Anlaufstelle von der ich geschickt worden war, durfte ich wieder mit Sack und Pack nach hause fahren. Ich solle mich nochmals am nächsten Tag an dieser Anlaufstelle melden, dort würde ich einen Platz in der Tagesklinik bekommen.

Gesagt getan. Nachdem ich bei der Hausärztin war, die mich rückwirkend krank schreiben musste, da ich ja von jetzt auf gleich zu gefährlich war um arbeiten zu gehen, ging ich noch mal in die Anlaufstelle in meinem Heimatort. Die Damen waren nicht mal in der Lage gewesen meinen korrekten Vornamen zu notieren. "Anne" hätte erst 13uhr einen Termin. Warum ich jetzt schon hier wäre. "Dann muss ich sie eben dazwischenquetschen" meinte eine Sozialarbeiterin. Nett, dass vor einem Borderliner zu sagen, der eh schon Minderwertigkeitskomplexe hat. "Nein, 13uhr war abgemacht. Kommen Sie DANN noch mal wieder..." Komisch. Gestern durft ich nicht mehr fahren. Heute soll ich in ner Stunde noch mal wiederkommen. Ich meinte dann nur "Ja schon gut. Will ja keinen hier zur Last fallen." und ging wieder heim. 13Uhr. Termin mit der eben schon angepissten Sozialarbeiterin. Noch ein Vorgespräch. Wieder ein Fragenkatalg. Am Ende des Gesprächs, eröffnete sie mir, ich hätte die Wahl ob ich teilsationär in die Tagesklinik gehe oder ambulant an diversen Programmen teilnehme wäre meine Entscheidung. NUR.... in der Tagesklinik ist derzeitig kein Platz. Erst Ende des Jahres vielleicht. WTF?? WO IST DENN DA MEINE WAHL??

Ich bin ja ein geduldiger Mensch. Nächsten Termin am nächsten Tag bekommen. 9:30Uhr sollte ich mich ambulant melden und könnte dann an einer Ergotherapie mit teilnehmen. Körbchen oder Kerzen basteln. Schön, schön. Gesagt getan. 9Uhr angemeldet. "Sie kommen aber spät!" - HÄÄ? Ich antwortete: "Naja. Dann kann ich ja wieder gehn..." Mit nem angepissten Gesichtsausdruck nahm sie meine Krankenkarte. "Bitte noch kurz ins Wartezimmer!" Jo. Mach ich alles. Kurz ins Wartezimmer waren 1 1/2 Stunden. Dann gabs die Vorstellung bei einem Arzt. Nanu? Was is nu mit Körbchen basteln? Fragebogen. Kotz.

In seinen Augen hätte die Rettungsstelle fahrlässig gehandelt mich nicht aufzunehmen. Also bin ich nun doch wieder ne Gefahr... Tick tack und so. Hatten wir schon. Er ruft in der Tagesklinik vor Ort und in einer anderen Tagesklinik an, mit der die Anlaufstelle zusammenarbeitet. Ich bekäme auf jeden Fall noch heute einen Platz. SO KANN er mich nicht gehen lassen. Guuut. Is mir recht. Wartezimmer. Nach weiteren 2 Stunden wurde ich wieder in sein Kämmerlein gerufen. Is ja nich so, dass ich noch nicht alle informiert hätte wo ich jetzt hinkomme uns so. Nö. Er meinte dann er hätte keinen Platz bekommen für mich. Und sowieso ist ja alles gar nicht so schlimm. Die Spitze die er brachte:

HÄTTEN SIE SICH UMBRINGEN WOLLEN,
DANN HÄTTEN SIE ES VERMUTLICH SCHON GETAN.

Hallo? War das ne Herausforderung?? Auf meine Frage, ob es noch andere Kliniken gäbe, meinte er "Ja klar, können Sie ja mal googeln..." Hähähä...ja. Nein. Wir hatten also Freitag Mittag. Er bot mir an, dass ich zu "Kriesenzeiten" IMMER hier her kommen könnte. Bis 18uhr. Außer am Wochenende. Da is halt zu. Ist echt kein Witz. Is voll die Wahrheit. Dann machte er sein spackigen Kalender auf und wollte mir kommenden Mittwoch einen Termin anbieten. Ich hab ihn direkt gesagt, dass ich mich nicht noch mehr verschaukeln lassen würde und NICHT mehr hier in diese Anlaufstelle käme. Er fände es schade, dass ich es NICHT MAL VERSUCHT HABE und wünscht mir noch einen schönen Tag. HAHAHA.... Ja. Fick dich auch.

Nach dieser für mich RIESENGROSSEN Enttäuschung hab ich meine Wut mal wieder nicht zügeln können. Toll. Die KRIESENANLAUFSTELLE ist nun der Grund warum ich mich selbst verletze. Top. Danke für nichts lieber Scheißverein. Wegen diesem; nennen wir es "Ausrutscher" packte mich meine Kollegin wieder ein. Ab zur Rettungsstelle Teil 2. Da sie diesmal eine riesen Szene abzog, mussten wir nicht mal 30Minuten warten bis mich jemand anhörte. Den ganzen Ablauf noch mal erzählt. Das ich richtig veräppelt wurde und der zugesicherte Platz in der Tagesklinik nur feucht-warte-Luft war. N´ Furz halt. Diesmal versprach man mir, dass es Montag von der Rettungsstelle aus geklärt werden würde. Natürlich erst Montag, da am Wochenende ach Psychologen frei haben. Ich äußerte mehrmals nicht mehr in diese Anlaufstelle zurück zu wollen sondern den Wunsch habe in eine ANDERE Tagesklinik zu gehen. So.

Heute ist Montag. Ich habe den ganzen Tag schon mit einem bösen Gefühl im Magen um mein Handy gesessen. Vor wenigen Minuten kam dann der Anruf von der Rettungsstelle: "Sie haben morgen 8:30Uhr einen Termin in EBEN DIESER ANLAUFSTELLE. Dort werden Sie dann morgen in die Tagesklinik aufgenommen". Ich sagte ihr, dass ich dieses Versprechen schonmal bekommen hätte und EIGENTLICH nicht mehr dort hin zurück gehen möchte. Kann sie jetzt nicht ändern, sagt sie. Wurde jetzt so beschlossen. Soll doch den Leuten noch mal ne Chance geben.


Ich werde mit meiner UNENDLICHEN GEDULD dort morgen hingehen. Wenn ich noch EINMAL verarscht werde beim Versuch Hilfe zu suchen, werde ich es definitiv vergraben. Für immer und ewig. Einen Fick auf all die Ärzte, Psychiater, Solzialarbeiter und Psychologen. Mögt ihr alle für eure Haltung in der Hölle schmoren. Und wenn ich eher gehen sollte als ihr, dann glaubt mir - ich komm euch besuchen und werde euch die gleichen Gefühle mitschicken, die ihr mir durch euer unüberlegtes, arrogantes Verhalten mir gegenüber eingeimpft habt. Noch mal: Danke für nichts!!!


Samstag, 16. August 2014

Depri-Tag

Heut ist mal wieder so ein richtiger Depri-Tag; der perfekte Abschluss einer ganzen Depri-Woche. Ich hab das Gefühl, als würde ich mich mit jedem Atemzug nur noch weiter in die Schieße reiten, obwohl mir gesagt wird, dass das was ich tue okay und richtig ist. Aber irgendwie fühlt sich gar nichts mehr gut an. Allerdings - wer sagt, dass "richtig" auch immer gleich "gut" sein muss.

Höhepunkt dieser Woche, war ein Gespräch mit einer Dozentin über mein Arbeits- und Sozialverhalten. Ob ich gut mitarbeite, selbstständig denken kann, teamfähig bin und so weiter und so fort. Sie meinte, ich wäre in all diesen Dingen nahezu perfekt - doch gäbe es ein weiteres Kriterium, nämlich die Bewertung ob ich Spaß am Leben hätte und Freude an dem was ich tue, hätte ich für diese Sparte gerade mal eine 4 oder 5 verdient. Das traurige daran ist nicht mal, dass sie es gesagt hat, sondern, dass sie damit verdammt noch mal recht hat.

Traurig auch, dass die Menschen, die am meisten von mir fordern, auch die Menschen sind, die ihre Augen vor meinen Problemen schließen. Es ist nicht so, dass sie es nicht sehen können. Sie wollen es nicht sehen. Meine Probleme sind vielleicht auch manchmal nicht so einfach gestrickt wie die vieler Anderer. Und manchmal kann ich weder das Problem, noch den Hilferuf ausformulieren... Trotzdem. Es wird sich eben doch immernoch viel zu schnell abgewandt, wenn es um Depressionen geht. Dann zeigt auch nicht mit den Finger auf uns, wenn wir daraus unsere Konsequenzen ziehen.


Sonntag, 13. Juli 2014

Wollt nur wissen ob es dich noch gibt...

Ja, mich gibt es immernoch. Und auch mein Blog existiert noch. Schon interessant wer mich schon alles deswegen angeschrieben bzw. angesprochen hat. Noch interessanter, die Frage, ob man in meinen Zeilen schon mal drin vorgekommen ist. Es gibt niemanden den ich kenne, der noch nicht in meine Texte eingeflossen ist. Wer suchet der findet würde ich mal sagen. Wer allerdings sagt "schreib auch mal was über mich!" der scheint meine Schreibweise noch nicht zu kennen. Ihr wisst schon - alles und jeden durch den Kakao zu ziehen. Warum? Weil ichs kann. Ist mittlerweile meine Standardantwort für alles geworden. Die Lust und Hingabe mich zu rechtfertigen, scheint wohl irgendwie aufgebraucht zu sein.

Nun. Hier bin ich also wieder. Motiviert sieht anders aus. Ich habe es geschafft mich mit meinem Kopf von ihm abzuwenden; das Herz wird schon noch irgendwann Folge leisten. Sobald klar war, dass nun entgültig Schluss ist, stellen sich nun wieder die üblichen Verdächtigen in einer Reihe auf und fragen mal an, wies aussieht mit nem Käffchen oder so. Obwohl ich dafür Kopfschütteln ernte, muss ich sagen, dass dieser Zustand so begehrt zu werden total anstrengend und sogar ein wenig beleidigend für mich ist. Es strengt mich an, ein netter Mensch zu bleiben und die an mich gerichteten Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen, da diese oft nicht mit meinen überein stimmen. Beleidigend ist es deswegen, da viele anscheinend denken, ich wäre etwas Rumreichbares. Eine, die nicht gern allein bleibt und bei der man sich früh genug anmelden muss nach einer beendeten Beziehung, um auch mal "dran zu kommen".

"Die Nacht öffnet ihren Schoß
Das Kind heißt Einsamkeit
Es ist kalt und regungslos
Ich weine leise in die Zeit
Ich weiß nicht wie du heißt
Doch ich weiß dass es dich gibt
Ich weiß dass irgendwann
 irgendwer mich liebt" 

Dabei bin ich viel romantischer wie ich aussehe. Ich will nicht hören, was ich sowieso nicht glaube. Ich will letztendlich, einfach nur geliebt werden, für das was ich bin und nicht für dass was ich vielleicht sein könnte. Sei es nun ein Fehler oder einfach nur Dummheit; meine letzte Nacht habe ich wieder mit ihm verbracht. Quasi freundschaftlich, wenn man so möchte. Einfach weil ich das Gefühl hatte, dort meine Ruhe zu haben. Und - einen Menschen zu haben, den auch ICH nahe sein möchte und es nicht nur MUSS um anderen einen Gefallen zu tun. Es gibt nur wenige die mich anfassen dürfen und noch weniger, bei denen ich es genieße.

Alles Andere läuft so vor sich hin, weil es muss. In 2,5kg habe ich meine -20kg Grenze geknackt. Dazu habe ich jetzt etwas mehr wie ein halbes Jahr gebraucht. Mein Körper und ich, wir verstehen uns mitterlweile ganz gut. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Depressive KEIN Körpergefühl haben. Wir kommunizieren oft miteinander, leider sind wir uns nur in manchen Dingen eben uneinig. Eine Sache, in der wir uns beide noch nicht so Sicher sind, ist die Vermutung, dass mit meiner Schilddrüse etwas nicht in Ordnung ist. Aber die Angst, zum Arzt zu gehen und wieder mit einem neuen Wehwehchen anzurücken um von ihr augenrollend als Hypochonder dagestellt zuwerden ist bisher noch größer...


Danke für´s lesen und einen schönen Fußballabend euch allen.
Mein Tipp: Deutschland machts dieses Jahr.

Samstag, 14. Juni 2014

letztes Jahr um diese Zeit

Ich möchte nicht sagen, dass es je perfekt war, doch letztes Jahr um diese Zeit, war es besser. Besser als heute. Nach langem hin und her und stufenweiser Verabschiedung, habe ich mich nun von dir getrennt. Nicht weil ich dich nicht mehr lieben würde - ganz im Gegenteil. Sondern viel mehr, weil ich glaube, dass du mich nie geliebt hast. Vielleicht hast du es dir nur eingeredet, vielleicht hab ich es dir ja sogar eingeredet. Vielleicht ist es auch das, was du Liebe nennst...

Es gibt Menschen im Leben, die kommen und gehen. Um manche trauert man eine Weile - manche vergisst man nie. Klar, es ist noch frisch. Doch eigentlich war es zum Schluss abzusehen. Die traurige Gewissheit, dass du dich nicht für mich ändern willst - die traurige Einsicht, dass es vielleicht auch niemanden geben wird, der sich meinetwegen ändern möchte.

Ich habe deine Bilder gelöscht. Unsere Chats. Und trotzdem. Ich schaue im 10Minuten-Takt auf mein Telefon, ob du online warst. Ob du vielleicht an mich gedacht haben könntest. Ob du vielleicht geschrieben hast... Heute ist das erste Mal, an dem ich es geschafft habe, dir dabei nicht zu schreiben. Irgendein belanglosen Grund habe ich sonst immer dafür gefunden. Heute nicht. Ich dachte es würde mich stärken. Aber innerlich zerreißt es mich. Zu wissen, dass es nichts gibt was mich noch bei dir hält und dennoch das Gefühl, bei dir sein zu wollen. Würdest du JETZT vor meiner Tür stehen; ich würde dich wieder zurücknehmen. Doch. Du. Tust. Es. Nicht.

...Und ich sollte es auch nicht tun.


"Hätte ich gewusst wie schwer es ist
deine Hand los zu lassen,
hätte ich sie nie berührt."