Dienstag, 3. März 2015

richtige Konditionierung

Die meisten von uns werden schon bereits als Kleinkind zum Frusstesser konditioniert. Wer kennt das nicht? Irgendwas ist schief gegangen und die bekommst nen Eis. Hund ist tot? Wir gehn heut zu burger king. Trauer wird mit Essen behoben. Denn wenn was richtig, richtig doof läuft, klebt die Schokolade ein Pflasterchen auf und alles ist wieder "Friede, Freude, Eierkuchen", sozusagen.

Genauso wars bei mir gewesen. Ging was in die Hose; BigMac konnte es wieder richten. Man muss erst die Ursachen heilen um die Symptome zu bekämpfen. Als ich die Sache mit der Prägungs-Geschichte kapiert hab, konnte ich mich also umkonditionieren. Cooles Wort. Gibt es bestimmt gar nicht. Zumindest hat es funktioniert. Aber die Seele löscht nicht einfach so Fehler von seiner Festplatte - da muss man ihm schon ein Bonbon hinterher werfen. Ich hab mich also "anderweitig" belohnt... Du hast die Prüfung gut bestanden? Kauf dir ne neue Handcreme. Du hast eine wirklich schwierige Arbeitswoche gemeistert? Kauf dir Schuhe. Fehler dabei war zunächst, dass ich mich nur für GEGLÜCKTE Stressmomente belohnt hab und mich dabei selbst unter Druck gesetzt habe - nicht nur jede Situation überstehen sondern auch meistern müssen!! Denn für nix gibts auch nix. Trostpreis vergessen.

Aber aus Fehlern lernt man. Also gab es nun für mein Ego nach jedem überstandenen "Negativ-Erlebnis" ein kleines Leckerlie. Arbeit geschrieben? Wat ne 3 bloß? Naja, komm. Hasts hinter dir. Kauf dir nen neuen Lippenstift. Da aber mein inneres Kind schlauer war als ich, artete es irgendwann aus... "War heut einkaufen! Gib mir was!". Versuch 3.0 wurde jetzt also mit dem gestrigen Tag gestartet. Man macht ja sonst kein Quatsch mit. Ich habe mir ein kleines Ringbüchlein gekauft, mit einem netten Einband, was mich abends immer an die "schönen Momente" erinnern soll. Sinn dahinter: ein abendliches Ritual schaffen; tagsüber mehr auf Glücksmomente warten bzw. danach suchen (weil man will sich ja abends nicht vor dem Buch blamieren, wenn man nix zu sagen hat....).

Apropos abends; schlafen. Der Dozent, der mir noch eine Antwort schuldete bezüglich "soll ich lieber alp-träumen oder eine Schlaftablette nehmen?", hat das Thema netterweise noch ein wenig ausgeweitet. Und Fakt ist, dass auch hier erst die Ursachen und dann erst die Symptome behoben werden. Soll nicht nur heißen, den Traum zu analysieren sondern auch raus finden, welche Bedürfnisse außerhalb der Traumwelt unerfüllt bleiben. Fehlt Nähe? Fehlt Freiheit? Fehlt Sicherheit oder Ordnung? Fehlt mir der Sinn oder die Anerkennung? Oder ruft mein Körper nach irgendetwas? Auch das lässt sich wage im Traum deuten... Nun heißt es quasi wieder forschen.

"Jeder Tag, ist ein neuer Anfang."


Freitag, 27. Februar 2015

jeder Tag ein neuer Anfang

Ob ich will oder nicht, aber im Moment werde ich mit dem Thema "sich selbst lieben können" und "Selbstvertrauen & Wahrnehmung stärken" an jeder Ecke konfrontiert. Ob es meine Chefin ist, die sich nach mir erkundigt und mit Rat zur Seite steht, Freunde die sich gerade selbst in ihren Lebenszielen neu definieren oder die Dozenten unserer Schulde, die mich mittlerweile auch sehr privat an die Hand nehmen um mir Entschleunigungs-Tricks für den Alltag ans Herz legen. Einerseits fühlt es sich gut an, "irgendwie warm und tomatig..." aber auf der anderen Seite bringt mich das viele Nachdenken auch oft genug komplett aus der Bahn.

Vorab muss ich sagen, dass ich meine stimmungsaufhellenden Medikamente wieder nehme, da ich einfach gemerkt habe, dass meine innere Anspannung mir manchmal über den Kopf gewachsen ist. Meine Gelassenheit ging schon bei Kleinigkeiten flöten. Am meisten habe ich mich wohl dann wieder über mich selbst geärgert. Zum Thema Schlafmedikamente habe ich einen hochgeschätzten Dozenten befragt - soll ich lieber SCHLAFEN oder soll ich mich mit meinen Alpträumen abkämpfen in der Nacht? - Verarbeitung findet er natürlich sehr wichtig, doch da meine Träume nun schon so lange anhalten, möchte er sich diesbezüglich noch mal mit mir fern ab von allem unterhalten. Ich handhabe es nun so, dass ich mich am Wochenende "abschieße", dann wenn ich es nicht eilig habe und mein Kreislauf genug Zeit bekommt sich wieder zu erholen. In der Woche kämpfe ich dann. Nacht für Nacht. Erst um das Einschlafen und dann gegen die emotionalen Schmerzen im Traum.

Eine andere, für mich sehr vorbildhafte Dozentin wiederum schrieb: "Ich kenne diese Gefühle von nicht geliebt und abgelehnt werden und ich habe viele Jahre damit verplempert gegen mich zu arbeiten. Ich habe Ihnen von dem weisen oder älteren "ich" erzählt. Es sitzt bei mir im Bauch und ich rede fast täglich mit ihm (...) es weis genau was ich brauche wenn es mir nicht gut geht. Sie ist die, die mich kennt und mich beschützt."

Ich habe immer das Gefühl, dass eine "Vergangenheits-Enny" in mir steckt und mich ständig für Dinge kritisiert die ich nicht oder noch nicht geschafft habe in meinen Leben... "du hattest sooo viel vor!". Und das macht mich letztendlich nur noch trotziger. Ich habe keine Wünsche und Ziele oder gar Bedürfnisse mehr, damit ich mich selbst in Zukunft nicht enttäusche. Damit fahre ich eigentlich recht gut - jeder Tag bringt was er bringt, ob ich nun etwas ändere oder nicht... ist das so? Warten auf den Traumprinzen, auf die Bikinifigur und auf innere Gelassenheit? Die Antwort meiner Dozentin lautete:

"Jeder Tag, ist ein neuer Anfang. Egal was sie nicht geschafft oder erreicht haben, es gibt einen neuen Tag, eine neue Woche, ein neues Jahr. Zeit genug also um es noch umzusetzen."

Ja, Recht hat sie. Ich setze mich also hin, setze mich mit mir selbst außeinander, biete der Vergangenheits-Enny die Stirn mit "machs erstmal besser!" und versuche nun ein neues Zukunfts-Ich zu erschaffen. Erst war die Seite komplett leer. Nichts was ich mir wünsche oder vorstellen konnte. Dann habe ich die ersten Kleinigkeiten zu Papier gebracht... das übliche: aufhören mit rauchen, besser ernähren, zu Arztterminen gehen und und und... Das eine brachte das nächste ins Rollen. Es gibt jetzt wieder Dinge, mit denen ich mich beschäftigen kann. Ziele auf die ich über kurze und lange Distanz hin arbeiten kann. Für mich wichtig war es aber, dass diese Ziele NUR mit mir zu tun haben dürfen, da ich nur mich und niemand anderen ändern kann. Ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein vielleicht, aber auch ein Bach hat mal klein angefangen...



Sonntag, 15. Februar 2015

schlaflos

Die Nächte werden länger und anstrengender für mich, etweder kämpfe ich darum einzuschlafen oder darum aus einem schlimmen Traum endlich zu erwachen. Noch das schlechte Gewissen - keine Liebe, so weit würde ich nicht gehen. Dich vor Augen zu haben, bei dem Gedanken wie sehr dir jeder Kuss schmerzen könnte, der deinen Lippen entgeht, lässt mich an meiner Neutralität zweifeln....


"Veronal, bring mir Vergessenheit heute Nacht.
Veronal, wieg mich in den Schlaf, ganz leise und sacht.
Veronal, bring mir den traumlos-tiefen Schlaf.
Ich will nicht mehr wachen und warten.

Ich bin wach. Sirenen und Krach auf der Straße.
Stechende Brust. Fiepen im Ohr. Zähl 1000 schwarze Schafe.
Ach, es macht keinen Sinn - Augenränder bis zum Kinn.
Mein Körper völlig am Ende, doch mein Kopf will gerade beginnen.
Hau mich hin in das gemachte Nest, mach den Matratzen-Test.
Schweißgebadet, fast wie 'n Wasserbett.
Die Gedanken rennen durch den Verstand man.
Ich will pennen, verdammt man, wo bleibt der Sandmann?
Meine Uhr muss kaputt sein.

Öffne den kleinen unterm Spiegel versteckten Schrank in meinem Bad und sehe diese Pillen.
Und alles wird still.
Schlaflos, schlaflos, schlaflos in Berlin.
Es wird Zeit, dass die kleinen Helfer mir dienen.
Nur ein paar Träume stellen sich ihnen in den Weg.
Und es tut fürchterlich weh, wenn der Hahn morgens kräht."

(Materia)

Montag, 9. Februar 2015

das Drogentagebuch Tag 1 - 5


Tag 1
Erste Nacht ohne Sedierung verlief ganz okay, dafür hab ich mir auch ein paar Gläser Wein schmecken lassen, damit ich gut einschlafen kann. Früh gabs dann nur noch die Hälfte an Macke-Medikation (macht man halt so wenn man professionell abgesetzt...).

Tag 2
Die zweite Nacht ohne Medikamente verlief dann etwas turbulenter... Zu warm, zu kalt, Kissen zu hart, Bein schläft ein. Viele komische Gedanken, über viele komische Sachen. Noch mal rumdrehen. Jede Stunde geht der Blick auf die Uhr. Noch nicht Zeit zum aufstehen. Also wird das Kissen wieder malträtiert... Lang ists her, dass ich auf diese Weise meine Nacht verbringe. Halt ohne Schlaf.

Aber am nächsten Morgen, war ich fit wie schon ewig nicht mehr. Kein Sabberfaden der mich beim Laufen einholt. Keine Erschöpfung, keine Müdigkeit. Eben einfach mal nicht sediert. Keine Kreislaufprobleme am morgen. Super. Von wegen, die Probleme kämen NICHT von den Tabletten.

Tag 3
Die dritte Nacht lief etwas erfolgreicher. Wenn ich auch nicht durchgeschlafen habe - aber besser als nix. Dann kamen wieder die Träume. Viel wirres Zeug. Wenn ich dann aufwache, liege ich wieder ganz verkrampft in Fötusstellung in nem durchgenässten Bett. Das habe ich erst seit dem ich die Tabletten überhaupt nehme... trotzdem bleibts dabei - ich komme morgens viel besser raus. Mittags habe ich jetzt wieder mein tief, aber dem gehe ich momentan einfach nach. Mittagsschläfchen is besser als gar nicht pennen.

Meine Laune hat sich bisher noch nicht wesentlich geändert. Ich denke vielleicht wieder öfter nach. Aber ist das nachteilig? Hmm.



Tag 4
Um ehrlich zu sein, habe ich meine halbe Morgentablette vergessen, aber die Motivation sie zu nehmen schwindet allmählich. Wobei ich sagen muss, dass ich nun öfter mal darüber nachgedacht habe zum Abend meine Schlafmittelchen einzuschmeißen... die Nächte sind unruhig und mit Alpträumen belastet. Allgemeinen würde ich behaupten, dass ich wieder eifersüchtig werde. Ich bin anhänglicher als ein paar Tage zu vor... Verlustangst? Ich schiebs auf meine vermehrten Grübelschleifen. Mehr nachdenken bedeutet mehr Angst zu haben...

Tag 5
Mäh. Gefühlschaos pur. Liebe, ja oder nein? Find ich mich nun gut oder scheiße? Lachen oder weinen?

Körperlich dafür wieder alles beim alten. Nicht mehr Durst wie ne kuh. Nicht mehr alle 10 Minuten pinkeln. Dafür öfter als einmal in der Woche groß. Halleluja.  Kein Süßheißhunger mehr. Generell nicht mehr so viel Appetit. Und... Hallo Libido, da bist du ja wieder. Fühle mich wie ne rollig Katze die sich solange auf dem Boden hin und her rollt bis sie gestreichelt wird und dann ihre Krallen spielen lässt. Vielleicht brauche ich ja nur ne Kastration ^^"

Aber eine interessante Unterhaltung gestern mit dem "Maskenmann" hat mich dennoch motiviert aufzuhören, bevor mich die Angst auffrisst nie wieder ohne zurecht kommen zu können. 

Donnerstag, 5. Februar 2015

Fuq the System

Ich habe mich nun endlich entschieden; ich werde meine Medikamente selbstständig wieder absetzen. Zunächst mal, weil ich keinen Bock mehr habe, den Ärzten und den noch schlaueren Arzthelferinnen dieser Kackeinrichtung jedes mal für ein Rezept den Arsch zu lecken. Dafür bin ich mir nun leider wirklich zu schade meine Freunde. Und Punkt 2, der wohl wesentlichere Punkt, sind die Augen eines "Langzeittherapierten". Gefangen, in einer Mischung aus Beruhigungsmittel und Gehirnwäsche, ist er keinen Tag er selbst. Und wenn ein Funken Persönlichkeit hervorblitzt, was sich auch durchaus mal in Angst oder Wut wieder spiegelt, wird noch mehr von den Ärzten verschriebene Sedierung eingeflößt. Die Seele is ruhig, der Körper nur noch eine leblose Hülle. Klar, wenn man schwierige Fälle vor sich hat, bei denen man mal sein Psychologenköpfchen anstrengen müsste, ist es immer die einfachere Variante, erst mal ALLE Gefühle auszuschalten. Hauptsache der tut sich nix. Ob er noch leben kann, is mir doch egal... Ein gebrochenes Herz still zu legen, ist die wohl dämlichste Idee. Das Herz ist ein Muskel, der bewegt, erregt und beachtet werden will. Für mich immernoch der Sitz der Seele. Nicht der Kopf... oder hatte schon mal einer nen kribbeln im Kopf wenn er verliebt war?


Ich spreche mich nun, das erste mal auf meinen Blog, frei zu Drogen aus. Es ist absolut schizophren, wenn mir Freunde und Bekannte, davon ABRATEN meine Medikamente abzusetzen. Dieses Gift, was meinen Geschmack verändert hat, welches mich in der Nacht schwitzen lässt als hätte ich eingepisst, welches hunderte von Nebenwirkungen mit sich bringt und mich unter anderem auch schon mal richtig in Gefahr gebracht hat, durch nen raschen Blutdruckabfall. Die gleichen Menschen machen mir eine tierische Szene, wenn ich ab und an mal einen Rauche. Ja, ich rede hier von Gras. Es hat keine Nebenwirkungen, führt zu keinen Landzeitschäden und ich bin mir sicher, dass ich durch den Konsum weniger Allergien habe. Es beruhigt mich, lässt meine Seele frei, lässt mein Herz arbeiten und meinen Kopf so verdammt klar denken. Alles macht wieder Sinn, alles macht wieder Spaß. Jedes Gefühl, jeder Windhauch wird viel intensiver. Als wäre man die Hauptfigur in diesem Film des Lebens. Von wegen Drogen machen gleichgültig. Sie entspannen und bremsen meinen Perfektionsdrang aus. Heute nich aufgeräumt...? Egal, morgen is auch noch nen Tag. Konto überzogen? Egal, nächsten Monat wirds anders.

Jedes mal, wenn ich also deine leeren Augen sehe, bin ich mir sicherer mit meiner Entscheidung. Und kein Psychologe der Welt wird mir je wieder sagen können, dass ich mich verändern müsse um ein guter Mensch zu sein...