Donnerstag, 27. November 2014

Wenn du in dich gehst, dann geh nicht unbewaffnet

Frage mich manchmal, was passiert ist. Ich meine, wann habe ich aufgehört zu kämpfen? Die Krankheit zu akzeptieren ist das eine. Sich hinter ihr zu verstecken und mit ihr als "best friend forever" weiterzuleben ist etwas völlig anderes. Seit meinen letzten, etwas verärgerten Post über die "Hilfe", die man hierzulande als Borderliner bekommt, haben "wir uns" beide einfach mal gegen alles und jeden verschworen. Keiner weis wie es "uns" geht. Keiner kann "uns" helfen. Aber mittlerweile denke ich sogar, dass mir niemand helfen muss. Ich komm nicht nur klar, sondern bin der Meinung, dass alle nen Schatten haben, die mir versuchen meine Gefühle auszureden.


Das einzig positive, aber auch unberechenbare ist, dass ich seit der Dosiserhöhung meine Manien wieder habe. Zu letzt hatte ich die mit 18 oder 19. Viel kürzer als früher, aber immernoch genauso intensiv. Um es vielleicht verständlicher zu machen... Mir geht es so, dass ich basismäßig immer etwas gedrückte Stimmung habe, mich über nichts freue und auch nichts schön empfinden kann. Wenn ich in mein tiefes Loch abrutsche, vielleicht wegen einem dummen Spruch, einer scheiß Situation oder wenn mich die Vergangenheit mal wieder einholt; dann ist mit mir gar nichts mehr anzufangen. Ich bin nur noch müde, schaff es oft nicht aufzustehen. Wandere vom Bett zur Couch. Wasch mich nicht oder nur das nötigste und bin sehr nahe am Wasser gebaut. Aber jetzt kommt die Manie. Das ist wie Schmetterlinge im Bauch haben. Man freut sich, ist hibbelig, könnte jeden umarmen und abknutschen und hat tierischen Unternehmungsdrang (leider auch nen heftigen Kaufdrang ^^ ). Das ist voll schön, aber leider überrollt man in dieser Phase oft Leute die einem nahe stehen, macht Dinge die man vielleicht sonst nie gemacht hätte und bereut sie dann anschließend wieder. Trotzdem ist es wie Urlaub von einem langandauernden Kopfschmerz.

Mittlerweile habe ich die Liste der mir nahe gelegten Therapeuten weggeworfen. Ich habe WIRKLICH versucht irgendjemanden zu erreichen. "Wir rufen Sie schnellstmöglich zurück!" Fürn Arsch. Und sowas zieht mich unheimlich runter. Nicht die Depression selbst, sondern die Arschlöcher die meinen mir helfen zu können und mich damit nur noch tiefer ins Loch stürzen lassen. Ich gebs hiermit offiziell auf. Ich habe keine verdammte Aura vor meinen Phasen. Nein ich kann die Auslöser nicht vorher sehen! Und nein, ich habe keine skills entwickelt. Und auch die Tabletten würde ich sofort wieder absetzen, wenn da nicht die Manie wäre, die mich ab und zu mal auf Kosten anderer aufmuntert. Was solls, die ganze Menschheit ist egoistisch! Warum sollte ich auf meinen Spaß verzichten, damit es anderen gut geht.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Nur ein Traum

Wenn es mir nicht gelingt, tagsüber meinen Frieden zu finden, muss ich mich nachts mit meinen Problemen, verpackt in irgendwelche verqueren Alpträume, auseinandersetzen. Die letzten Tage haben mich wieder sehr an mir selbst zweifeln lassen. An meiner Wertigkeit. Aber auch an der Wertigkeit von Freundschaften. Dieses "ich bin für Dich da" versprechen, wird viel zu schnell und unüberlegt gegeben. Was heißt denn, für jemanden da sein? Ein Anruf? Eine SMS? Einfach mal zuhören? Manche schaffen es nicht mal einfach nur zu antworten.

Mein Traum letzte Nacht, fing also wie einer meiner Standardträume an. Ich bin in irgendeiner Gefahr, werde überfallen, angegriffen etc. und brauche Hilfe. Niemand ist da, keiner reagiert wenn ich anrufe und irgendwann kann ich nicht mal mehr rufen oder sprechen, da meine Stimme verstummt. Der gleiche Ablauf auch diesmal. Handy in der Hand - brauche schnell und driegend Hilfe, Nummern besetzt, Freunde gehen nicht ran. Als ich aber diesmal wieder kurz vorm Aufgeben war und mich meinem Schicksal fügen wollte (diesmal war es übrigens mit dem Auto ertrinken... Gehirn erfindet auch immer was neues ^^ ) bekam ich auf einmal einen Rückruf. 4mal hat mich die Nummer schon versucht anzurufen. Ich gehe ran - und es ist jemand, den ich nicht versucht habe zu erreichen, der aber an mich gedacht hat und irgendwie wusste dass ich in Schwierigkeiten stecke. Mit den Worten "...Keine Angst, ich hol dich da raus" bin ich vor Schreck, aber trotzdem noch schweißgebadet, aufgewacht. Das ist mir ja noch nie passiert - ein "Held" in meinen Traum. Jemand, der an mich gedacht hat und mir hilft. Jemand, der außerhalb der Traumwelt, wahrscheinlich kein so toller Held war/ ist. Und ich bin mir fast sicher, dass wir uns heut Nacht beide im Traum begegnet sind.

Ich nehme mir meine Träume immer sehr zu Herzen, aber einen Lösungsversuch für meine Probleme außerhalb der Traumwelt hab ich bisher noch nicht bekommen. Egal warum oder durch was; das Ganze hat mir etwas Kraft gegeben heut Nacht. Seit fast genau einer Woche stecke ich, trotz Medikamenten, wieder in einer Tief-Phase. Ich weis genau was der Auslöser war, trotzdem hilft es mir nicht dabei, durch logisches Denken aus meiner Depriphase herauszukommen. Die aktuellen Ereignisse helfen mir leider auch nicht wirklich dabei.


Vielleicht finde ich irgendwann meinen Alltags-Helden,
der mich auch in der realen Welt "da raus holt".

Freitag, 10. Oktober 2014

Geburtstags-Spendenkonto

Da ich schon seit Jahren vor habe, mein klägliches Tattoo zu erweitern, es aber mit meinem noch kläglicherem Helfergehalt nie geschafft habe, möchte ich es dieses Jahr nun endlich in die Hand nehmen. Dieses Jahr, war ein absolutes Scheißjahr. Viel kacke passiert. Und trotzdem durchgehalten. Dafür möchte ich mich zu meinem Geburtstag mit dem lang ersehnten Tattoo belohnen, um das ich genauso gekämpft habe.

Daher mein Gedanke, ein Geburtstags-Tattoo-Spenden-Konto einzurichten. Anstatt Blumen, Süßigkeiten oder Geburtstagskarten, würde ich mich über eine kleine Spende freuen. Die Höhe ist dabei absolut Wurst. Wie sagt man so schön....? Jeder Euro zählt.


Mein Geburtstags-Spenden Konto:
anja-kollert@freenet.de
via Paypal

Vielen Dank im Voraus!!

Dienstag, 7. Oktober 2014

Einer flog über das Kuckucksnest

Eigentlich wollte ich schon eher über meine Erfahrungen mit der teilstationären Behandlung schreiben, doch beim eigentlich ist es geblieben. Es hat mich mehr Kraft gekostet als ich dachte. Noch dazu kam der plötzliche, unerwartete Tod meiner Oma, die mit ihrem Ableben ein gewaltiges Loch in unserer Familie und in meinen Herzen hinterlassen hat. Oft ist es für mich noch unwirklich. Mir graut es jetzt schon vor Familientreffen, die schmerzlichst aufzeigen werden, dass nun einer fehlt.

Ich hab mich nun also 3 Wochen auf den Versuch teilstationäre Behandlung aufgrund der Depressionen und der Borderlinerstörung eingelassen. Die Behandlung wäre mindestens noch 10 Wochen weitergegangen mit einem speziellen Programm gegen selbstverletzendes Verhalten, doch ich habe das ganze letztendlich doch bereits nach ca 20 Tagen abgebrochen, um meine Ausbildung zuende zu bringen. Ich möchte nicht behaupten, dass es mir gar nichts gebracht hat. Es war eine interessante Erfahrung andere Borderliner kennenzulernen. Andererseits hat es mich etwas beängstigt, dass die meisten von ihnen den Eindruck machten, als wären sie nicht gerade die hellste Kerze auf dem Kuchen. Man sah ihnen sofort an, dass sie irgendwie nicht "ganz richtig" waren.

Mir wurde dort oft gesagt, dass ich zwar den ganzen Tag über lächle und freundlich zu anderen bin, ich mich damit aber selbst daran hindere anderen zu zeigen wie es mir wirklich geht. Für mich ist es nicht unbedingt nur ein Schutzschild, sondern Anstand anderen mit einem Lächeln zu begenen. So hatte ich es noch nicht gesehen. In dieser kurzen Zeit wurden mir meine Defizite aufgezeigt, die ich teilweise schon kannte. Zusammenfassend könnte man ihnen die Überschrift geben "der Fehler, sein eigenes Glück von anderen Menschen abhängig zu machen". Und ja, das stimmt. Meine Einzeltherapeutin hat oft genug den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe ihr gesagt, dass das WISSEN darüber, also über die Krankheit als auch über meine eigenen Defizite zwar da ist, nur mit der Umsetzung hapert es. Es sind die Gefühle die ich habe, mit denen nich nicht zurecht komme. Hass-Gefühle mir selbst gegenüber. Abhängigkeits-Gefühle anderen gegenüber.

Es war also schnell klar, dass ich nicht doof bin, sondern einfach nur "krank". Aufgrund dessen wurde ich auf Sertralin eingestellt, ein Medikament zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen. Es soll auf Dauer meine allgemeine Stimmung anheben. Im Moment machen mich eigentlich nur die Nebenwirkungen fertig. Anfangs hatte ich mit ständiger Übelkeit und Appetitlosigkeit Probleme. Das hat sich mittlerweile wieder etwas gelegt. Allerdings hab ich nach wie vor einen extrem trockenen Mund und Geschmacksstörungen. Mit dem Essen muss ich nun ganz besonders aufpassen, da es in Verbindung mit "solchen" Medikamenten oft zur starken Gewichtszunahme kommt. Von der Stimmungsaufhellung habe ich bisher noch nichts gemerkt. Gegen die Schlafstörungen bekomme ich  Pipamperon und zur allgemeinen rundum Sedierung Promethazin. Erstmal muss ich sagen, dass es mich schon sehr wundert, dass jemand der mit suizidalem Verhalten eingeliefert wird, bei Entlassung eine 100er Tablettenpackung mit Schlaftabletten bekommt. Fail? Naja. Ich kann drüber lachen. Hinter mir die Sinnflut. Zum anderen machen mich diese Tabletten ganz besonders KO. Da ich eh schon einen sehr niedrigen Blutdruck habe, lassen mich die Pillchen nachts bis zum Scheintod hinvegetieren. Morgens komm ich kaum aus dem Bett und habe extreme Kreislaufprobleme. Seit dem hab ich wieder angefangen regelmäßig Energydrinks zu mir zu nehmen. Nun darf ich dort an der Anlaufstelle alle 4-6 Wochen mal vorstellig werden; hauptsächlich aber nur, um mir neue Rezepte ausschreiben zu lassen. Als ich die Oberärztin auf die Nebenwirkungen ansprach, meinte die "Ja, das ist leider so...". Kannste machen nix. Musst du gucken zu.


Um diesen Beitrag prositiv enden zu lassen, ist mein Fazit aus dem ganzen Spektakel, dass ich mir in einer ruhigen Minute mal meine Defizite zur Brust nehme. Ich werde mir überlegen an was und wie ich daran arbeiten kann. Und, den altbekannten Vorsatz wieder vornehmen: mehr um mich selbst kümmern. Bla.